Willkommen, lieber Gast – heute stelle ich euch den Ort vor, der für mich Entspannung pur bedeutet – der Botanische Garten in Jena. Neue Gärten zu erkunden ist immer ein Abenteuer. Für alle, die dies auf eigene Faust tun wollen, möchte ich mit meinem virtuellen Rundgang nichts vorweg nehmen. Ich möchte euch lediglich gern auf die Reise mitnehmen, um euch dieses wundervolle Stück Natur durch meine Augen sehen zu lassen. Ja, jeder Ausflug ist natürlich total subjektiv und jeder soll seine eigenen Lieblingspflanzen und -orte kennen und schätzen lernen. Als Grundlage dafür nehme ich DICH gern mit und wünsche DIR eine schöne Zeit und ein hoffentlich kurzweiliges Lesevergnügen.


Zu Beginn nur ein paar trockene Fakten und Geschichtsdaten. Nach Leipzig hat Jena den zweitältesten BoGa zu bieten (Gründung etwa Mitte des 16. Jh). Sowohl Goethe als auch der Zellbiologe Schleiden waren hier aktiv. Heute noch ist der stattliche Ginkgobaum zu bestaunen, den der Denker und Dichter Goethe hier gepflanzt haben soll. Auf etwa 4,5 Hektar finden sich 12.000 verschiedene Pflanzenarten. Heute wie damals ist ein Hauptzweck des Gartens, botanisches Wissen zu erwerben und anzuwenden - nicht umsonst ist dies ein Universitätsgarten. Unweit vom Stadtzentrum kann man den Garten entweder vom Westbahnhof oder vom Parkhaus Krautgasse schnell erreichen. (Wegbeschreibung) Hier seht ihr mich neben dem Pulverturm, der auch mit eingezeichnet ist. :)

Gehbehinderte Personen können mit Voranmeldung direkt auf dem BoGa Parkplatz aussteigen, parken dürfen dort jedoch nur Mitarbeiter. Das Tagesticket kostet 4€ und die Jahreskarte 30€, die sich für mich natürlich eindeutig lohnt. ;-) Gleich im Eingangsbereich kann man sich das Ticket holen und auch ne Menge Infomaterial und alte Postkarten. Außerdem gibt es jede Menge verschiedene (auch viele seltene) Zimmerpflanzen und Samen zu erstehen. Zu Beginn oder unterwegs kann man sich, wer mag, einen Coffee-to-go aus dem Automaten zu Gemüte führen. Nun kann man sich entscheiden, ob man mit den Gewächshäusern beginnen möchte oder mit dem Freigelände. Der Reihe nach führen die Gewächshäuser durch das Kakteen-und Sukkulentenhaus, das Kalthaus inklusive Karnivoren, das Tropenhaus, eine „Farnecke“ und zu guter letzte das Schmetterlingshaus mit einem Teich mit Riesenseerosen und – Vorsicht! - Piranhas! Nun kommt man wieder zurück in den Eingangsbereich und kann nun mit der Freianlage beginnen. Dort finden sich gleich auf der linken Seite aus Samen gezogen Stauden und Einjährige zum Verkauf angeboten. Dort habe ich z.b. letztes Jahr das seltene Fußblatt erstanden. Am Rosengarten und einer riesigen urigen Buche – mit Sitzgelegenheit - vorbei gelangt man zum Gartenteich – der auch wieder zum verweilen einlädt. Über die kleine Brücke am Mammutblatt vorbei beginnt der systematische Bereich. Dieser endet am Pavillon, wo man schon wieder eine Ruhepause einlegen kann. Ab September kommt man nicht am farbenfrohen Dahlienbereich vorbei, der trotz seiner geringen Fläche erstaunlich viele Sorten aufweisen kann. Dann, an der Schleidenbüste vorbei gelangt man rechter Hand zum Heilpflanzengarten. Auf dem Weg dorthin erwartet dich eine alte Nusseibe, dessen Früchte im Vergleich zur europäischen Eibe sogar essbar sind. Direkt hinter dem Apothekergarten folgt im Frühjahr ein tolles Farbenintermezzo aus Rhododendren.

Von dort gelangt man über einen verwunschenen Weg zum Alpinum, welches neben stattlichen Igelpolstern ein tolles Farbenspiel zwischen Steinkraut und Blaukissen bietet und auch die seltene Carlina acanthifolia beherbergt. Von der Anhöhe des Alpinums kann man die nahegelegene Kirche und den Jentower betrachten, der von uns liebevoll "Keksrolle" genannt wird! ;-) Wer sich hier sattsehen möchte, sollte mindestens 1-2 Stunden einplanen. Auf dem Rückweg zum Eingangsbereich kann man noch einen Abstecher in den Innenbereich wagen, wo verschiedene Seerosenarten und Einjährige gepflanzt sind. Für mich persönlich ist mindestens ein Besuch pro Monat Pflicht und es ist wirklich wunderschön die sich verändernde Flora sukzessive zu begleiten. Ausklingen lassen kann man den Ausflug entweder mit einem Einkaufsbummel in der Innenstadt oder im Café am Planetarium. Nicht vorenthalten möchte ich euch einen Blick auf dieses etwa 10 Jahre alte, sehr informative Schmuckstück aus meiner Buchsammlung - leider gab es seitdem keine weitere Auflage und es ist heute auch nicht mehr erhältlich.

Meine unbändige Vorfreude auf das Frühjahr und damit das erhoffte Einläuten des Gartenjahres 2019 möchte ich mit diesem Gedicht ausdrücken, was ich gern mit euch teile:


Mit letzter Kraft


Mit letzter Kraft hält sich der Winter

an den ersten Frühlingstagen fest

es störte nicht die spielenden Kinder,

doch manch einem gab er den Rest.


Lebte ich doch lieber am Äquator,

wo man solch Kälte gar nicht kennt

doch hätt ich dann wieder Angst davor,

dass die Sonne meine Haut verbrennt.


Will wieder frischgemähtes Gras riechen

will wieder mit Freunden an den See

mich bräunen auf halbschattigen Wiesen

auf ner schönen Grillparty


Den Sommerwind will ich tief spüren,

den Sommerregen wieder hören

will nicht stehen vor verschlossenen Türen,

sondern der Freiheit angehören.


Mit letzter Kraft hält sich der Winter,

hielt viel mehr als er versprach,

es störte nicht die spielenden Kinder,

begänne der Frühling mit dem morgigen Tag